Stadtgärtnerei Rorschach - Bluemehüsli

Es ist ein alter Brauch - wo produziert wird kauft man auch! 

 

Die Geschichte des Friedhofs Rorschach/Rorschacherberg

Eine Dokumentation erstellt von Otmar Elsener

September 2012 anlässlich der Ausstellung "Orte, die gut tun"

  

 

 

Warum der Rorschacher Friedhof oft als Zentralfriedhof bezeichnet wird, erklärt sich aus der Zeit, als 1912 der heutige Friedhof als ein «zentraler» Friedhof für alle Konfessionen gebaut wurde.

Bis dahin waren in der vorwiegend katholischen Stadt die Toten seit Jahrhunderten im Friedhof neben der Kolumbanskirche beerdigt worden.

Als 1854 die 130 Protestanten, die in Rorschach und Rorschacherberg lebten, ihre Kirchgemeinde gründeten, mussten sie 1855, noch vor dem Bau einer Kirche, einen eigenen Friedhof südlich der Bahnlinie anlegen. Der katholische Friedhof war zu klein geworden.

 

 1912 war der seit Jahrhunderten bestehende katholische Friedhof bei der Kolumbanskirche mit Gräbern überfüllt.

 

 Der protestantische Friedhof – erstellt 1855 und bis 1912 benutzt.

 

Im wachsenden Rorschach der Stickereizeit waren beide Friedhöfe bald zu klein und es herrschten «unhaltbare Verhältnisse».  Stadtammann Arnold Engensperger beantragte 1911 den Bau eines zentralen Friedhofs für Tote beider Konfessionen.

Die erste Vorlage mit einer Urnenhalle wurde wuchtig abgelehnt. Die Kremation war bei den Katholiken verpönt. Engensperger überzeugte die Bürger; schliesslich siegten Toleranz und Vernunft. Das zweite Projekt wurde im April 1912 von der Bürgerschaft angenommen.

 

Plan von Adolf Gaudy mit Ausbau I und Ausbau II nach Bedarf


1912 kauften die beiden Gemeinden das 21’000 Quadratmeter grosse «Hüttenmoser’sche Gut» südlich der damals neu gebauten Goldacherstrasse. Für 170’000 Franken wurde das vom bekannten Rorschacher Architekten Adolf Gaudy verfasste Projekt verwirklicht.

Bereits im Frühling 1913 war der ganze Gebäudekomplex mit Kapelle, Leichenhalle und der achteckigen Urnenhalle gebaut und mit der Erstellung der Grabfelder die erste Ausbauphase beendet.

Die neue überkonfessionelle Ruhestätte wurde 1913 eingeweiht und seither werden alle toten Christen der Gemeinden auf dem Zentralfriedhof bestattet.


 Friedhofsportal 1913

Inschrift ob dem Torbogen: «Die Liebe höret nimmer auf»


Die Friedhofgebäude 1914


Grundriss der Kapelle mit Leichenhalle und Urnenhalle


Das Innere der Kapelle im Jahre 1914


Der ursprüngliche Urnenraum um 1914


Der 1913 erstellte Brunnen blieb unverändert und schmückt heute unter einer Hängebuche die Ostwand des Friedhofs.


Bereits um 1920 waren die Felder beidseits des Wegs zur Kapelle mit Gräbern aufgefüllt.


 

Die zweite Ausbauphase begann nach Ende des Ersten Weltkriegs als Notstandsarbeit für die Arbeitslosen. Die Bürgerschaft bewilligte die Erstellung des Mittelstücks mit der Hügelpartie. Gebaut wurde 1919/1921.

 

 

Was dem Friedhof noch fehlte, war ein Denkmal, denn dafür bestand ein Legat
von 10’000 Franken, gestiftet von Franz Zardetti, der 1918 als letzter der Leinwandhändlerfamilie gestorben war. Einzige Vorschrift von Zardetti: Das
Monument müsse eine Pietà enthalten.

 

 

Der Stadtrat schrieb einen Wettbewerb aus, den der Zürcher Grabbildhauer Louis Wethli gewann. Der Stadtrat argumentierte, dass das Landschaftsbild des Friedhofs ohne dieses Denkmal unfertig sei. Rorschacherberg stimmte ohne Einwände zu, Rorschach erst nach langen Diskussionen.

 

 Louis Wethli schuf einen vierkantigen Obelisken aus gelblich-rötlichem Jurastein. Die südliche Seite zeigt als Reliefbild die von den Zardettis gewünschte Pietà.


Aufgestellt wurde das Monument im April 1921 während der 2. Ausbauphase. Der gärtnerische Schmuck rund um den Obelisk bestand bis vor wenigen Jahren aus mächtigen Bäumen, die leider gefällt werden mussten.

Das Monument auf dem Friedhofhügel bleibt, mit seinen Bänken und dem Blick auf die Gräber, die Stadt und den weiten See, ein Ort der Besinnung.


 Der Obelisk im Jahre 2005. Noch stehen einige der ursprünglich gepflanzten Bäume.

 

In den Jahren 1930/31 wurde die Anlage als 3. Etappe gegen Südwesten erweitert, um die gesetzliche, zwanzigjährige Grabesdauer um einige Jahre erstrecken zu können.

Eine nochmalige Erweiterung fand 1938/39 statt. Für diese 4. Ausbauphase stiftete die Ortsgemeinde Rorschach den Boden entlang der Goldacherstrasse.

Gebaut wurden neue Felder für Einzel – und Familiengräber. Erschlossen wurde dieser neue Teil mit einem Eingang gegenüber der Einmündung des Waisenhaus-Strässchen in die Goldacher Strasse.


Die 4. Ausbauphase in den Jahren 1938/39 mit neuem westlichem Eingang


Der Abschluss nach Westen, heute mit Familiengräbern belegt.


 Der Mittelweg als Achse zum Friedhofhügel und Obelisk


Das 1938 von der Ortsgemeinde Rorschach zur Verfügung gestellte Land entlang der Goldacherstrasse.


 

1948/49 wurde ein zweites Urnengräberfeld östlich des Friedhofgebäudes erstellt.
Der Trend zur Feuerbestattung hatte zugenommen.
1964 wurde die Urnenhalle umgestaltet. Die bisherige Öffnung wurde zugemauert und ein westseitiger Eingang mit grosser Glasfront erstellt.
Die dadurch erweiterte Südwand der Urnenhalle schmückt seit 1966 ein vom Rorschacher Künstler Peter Fels geschaffenes, sinnvolles Wandmosaik.

 

 Mosaik des Rorschacher Künstlers Peter Fels


1967 Erstellung einer Regenschutzhalle gemässProjekten des Architekten Paul Gaudy und Innnenrenovation der Friedhofskapelle.

 

Der Chor der Kapelle nach der Renovation 1967.


Der Eingang zum Friedhofareal wurde 1967/68 mit einem von Bildhauer Otto Rausch geschaffenen Brunnen künstlerisch bereichert.


Wegen Schäden im Laufe der Jahre wurde die gesamte Gebäudeanlage 1994 umfassend renoviert. Fünf Künstler wurden zu einem Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung eingeladen.

Die Jury entschied sich für das Projekt von Karl Tschirky, Wienacht.
Die Ausführung wurde begleitet von der Kantonalen Denkmalpflege.


Das Innere der von Karl Tschirky 1994 gestalteten Kapelle wird demnächst renoviert werden.


Tschirky malte 1994 dieses Bild im Vorraum der Kapelle sowie die Glasfenster der Aufbahrungsräume.


Walter und Friedel Zingg stifteten diese Plastik 1977 für das westliche Urnenfeld.